Projekt Fertighaus

Auswahl der richtigen Heizung

Eine wichtige Entscheidung, wenn es um Fördergelder geht

Eine wichtige Entscheidung muss bereits getroffen werden, noch bevor der Vertrag mit dem Haushersteller, in unserem Fall mit Frick Haus, geschlossen werden kann: die Wahl der Heizung bzw. des Heizungs- und Belüftungssystems. Weil davon mögliche Fördergelder, aber auch Investitionskosten und langfristige Betriebskosten abhängen, lohnt sich eine genaue Recherche.

Wir wussten zwar, dass es Heizungen mit Öl, Gas und Holzpellets bzw. Holzschnitzeln gibt, aber mehr Gedanken hatten wir uns dazu noch nicht gemacht, bis die Frage durch unseren Frick-Berater auf den Tisch kam. Dummerweise ist eine Heizung nicht gerade billig und wirkt sich auf alle Aspekte der Finanzierung aus: Betriebskosten während der Lebensdauer der Heizung, Investitionskosten (und damit die Kreditsumme!) und die Qualifikation für Förderprogramme der KfW, insbesondere das Programm KfW 153 „Energieeffizient bauen“. Hier vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergleichsweise günstige Kredite über 50.000 Euro, sofern man die Bedingungen des Programms erfüllt. In unserem Fall bedeutet das, mindestens ein sogenanntes KfW 70-Haus zu bauen, das also die Vorgaben der EnEV (Energieeinsparverordnung) zum Energieeffizienzstandard um 30% unterschreitet.

Unser Ziel war von Anfang an, auf jeden Fall ein KfW 70-Haus zu bauen (dazu an anderer Stelle in Kürze mehr). Um diesen Standard zu erreichen, muss das Haus entsprechend gedämmt und auch mit einer entsprechenden Heizungsanlage ausgestattet werden, die auch eine kontrollierte Lüftung mit einschließen kann (z.B. für KfW 40). Der Berater von Frick Qualitätshaus empfahl uns deshalb zunächst eine Luft/Wasser-Wärmepumpe von Alpha-InnoTec. Das klang erstmal sehr gut, modern und auch ziemlich umweltfreundlich — allerdings auch recht teuer, wie wir dann auf der Kostenaufstellung festgestellt haben.

Der größte Nachteil der Heizung mit Wärmepumpe ist aus unserer Sicht, dass sie stark von Strom abhängig ist, um Wärme zu erzeugen. Zwar wird der Raumluft, die kontrolliert nach außen über einen Wärmetauscher abgeleitet wird, Wärmeenergie entzogen und wiederverwendet, aber letzten Endes läuft das ganze System mit Strom — selbst wenn noch Solarthermie-Module hinzugeschaltet werden. Der Hersteller gibt für die „Komfort-Haustechnik-Zentrale KHZ-LW 60“ eine Leistungsaufnahme von 2 kW an. Aufs Jahr gerechnet — bei zugegebenermaßen schwankendem Bedarf an Wärmeenergie — sind die Kosten nicht unerheblich, zumal mit weiter deutlich steigenden Strompreisen zu rechnen ist. Hinzu kommt noch, dass die Raumlüftung und Wärmerückgewinnung nur dann gut funktionieren, wenn das Haus mit entsprechenden Lüftungskanälen ausgestattet ist und nicht allzu viele Fenster oder Türen offen stehen, durch die Wärme verloren gehen kann. Diese Luftkanäle wiederum sind Sammelpunkte für allerlei Staub und Partikel, die wir eigentlich nicht in unserer Raumluft haben wollen. Aus diesen Gründen haben wir uns gegen die Kombination Heizung/Wärmepumpe entschieden.

ALternativ hätte uns noch ein Mikro-Blockheizkraftwerk (BHKW) gereizt, das die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ausnutzt. Kurz gesagt handelt es sich dabei um einen kleinen Motor, der einen Generator antreibt und die dabei anfallende Wärme zum Heizen nutzt. Der Wirkungsgrad ist dabei deutlich höher als bei allen anderen Heizsystemen. Blockheizkraftwerke lassen sich mit verschiedenen Energieträgern betreiben und haben den Charme, dass man seine eigene Wärme und seinen eigenen Strom produziert, wobei überschüssige elektrische Energie ins öffentliche Netz eingespeist werden kann und entsprechend vergütet wird. Diese Art der dezentralen Wärme- und Stromversorgung verleiht ein hohes Maß an Unabhängigkeit, was uns gut gefallen hätte. Leider jedoch stellte sich heraus, dass selbst Mikro-Blockheizkraftwerke für Einfamilienhäuser wie unseres überdimensioniert sind. Das Problem ist schlichtweg, dass der Wirkungsgrad nur dann ökonomisch und ökologisch gut ist, wenn man genau die Wärme und den Strom auch braucht, den das kleine Kraftwerk im Haus gerade herstellt. Erzeugt man aber Strom oder Wärme, die man eigentlich gerade nicht braucht, lohnt sich das BHKW schnell nicht mehr, zumal es in der Anschaffung auch nicht ganz billig ist. Erst in Mehrfamilienhaushalten kann ein Blockheizkraftwek sinnvoll eingesetzt werden.

In einem Passiv- oder Niedrigenergiehaus, also z.B. KfW 40 oder niedriger, kann es auch ausreichen, einfach einen sehr effizienten Kaminofen an zentraler Stelle einzubauen, der sehr effizient verbrennt und mit einer Ladung Holz ein Haus und einen Warmwasserspeicher den ganzen Tag lang warm halten kann. Allerdings bestimmte die Regierung (die bessere Hälfte unserer Beziehung), dass dies keine Option sei — genau wie alle anderen Varianten, die mit Holz zu tun haben. Für eine Pelletheizung hätten wir zudem einen Pelletspeicher benötigt, für den uns im Haus eigentlich der Platz (sprich: Keller) fehlt.

So entschieden wir uns für die klassische Gas-Brennwerttherme in Verbindung mit Solarthermie. Zwar missfällt mir die Abhängigkeit insbesondere von den russischen Gasoligarchen und deren Ränkespielen untereinander, aber Gas ist ein sehr guter Energieträger, verbrennt sehr sauber, und Gasbrenner befinden sich auf einem sehr hohen technischen Niveau. Dies bedeutet auch, dass die Wartungskosten und Anschaffungspreise hier niedriger sind (wir sparen gegenüber der Heizung mit Wärmepumpe deutlich über 10.000 Euro, die wir sehr gut anderweitig ins Fertighaus investieren können). Der Platzbedarf des Gasbrenners ist ebenfalls gering, wobei wir hier laut Frick Fertighaus einen relativ großen Warmwasserspeicher und ggf. ein zusätzliches Solarmodul zu den beiden vorgesehenen Sonnenkollektoren einplanen müssen. Und zu guter letzt dürfte Gas — genau wie Öl oder Strom — zwar auch teuerer werden, aber dies erscheint uns noch als beherrschbar. Und wenn in 20 Jahren Gas wirklich knapp oder unbezahlbar teuer werden sollte, können wir immer noch auf bis dahin ausgereiftere Technologien zurückgreifen — vielleicht auf ein Nano-Blockheizkraftwerk. ;)

Frick Haus kam unserer Bitte der Heizungs-Umplanung übrigens ohne Zögern nach. Seitens Frick wurde auch nicht versucht, uns eine teurere Lösung anzudrehen, was wir dankbar zur Kenntnis genommen haben.

Mehr zum Thema Heizung und Energieeffizienz folgt in einem der nächsten Beiträge — unter anderem auch die Erklärung, warum wir uns „nur“ für ein KfW 70-Haus entschieden haben.