Projekt Fertighaus

Bemusterung: die Qual der Wahl

Viele wichtige Entscheidungen im Ausstattungsgespräch

Auf diesen Termin haben wir uns gefreut und uns gleichzeitig davor gefürchtet: Bemusterung! Endlich werden zahlreiche Details und offene Fragen geklärt und man spürt, dass es nun ernst wird — immerhin soll das Fertighaus in weniger als acht Wochen aufgestellt werden.

Auch wenn das Ausstattungsgespräch einige augenöffnende Momente bereithielt, in denen wir förmlich fühlen konnten, wie uns das Geld durch die Finger lief, war der Gesprächsablauf an sich hervorragend vorbereitet und wurde von Herrn Pflanz, Hochbautechniker in der Auftragsvorbereitung von Frick Fertighaus und Vollbluthandwerker, sehr kompetent durchgeführt.

Das Werk von Frick Fertighaus in Grebenau war (mit Navi) leicht zu finden; die Fahrt führt ab der A5 über romantische Landstraßen und verschnarchte Dörfer bis in den 2500-Seelen-Ort im Vogelsbergkreis. Herr Pflanz hatte sich ausnahmsweise am Samstag Zeit für uns genommen, da wir keinen anderen Termin unter der Woche finden konnten, und so standen wir pünktlich um 9:00 am Frick Werk.

Frick-Werk

Das Frick-Werk in Grebenau

Der erste Eindruck: wir hätten es uns größer vorgestellt. Eine mittelgroße Werkshalle, ein kleiner Verwaltungsanbau, fertig ist die Firma Frick Qualitätshaus. Wenn man bedenkt, dass Frick „nur“ um die 20 – 30 Fertighäuser im Jahr herstellt, passt der Eindruck aber durchaus zum „klein aber fein“-Image der Firma. Das setzte sich dann auch im Gespräch fort. Durch die überschaubare Anzahl an Kunden kennt man jeden Bauherrn ziemlich gut; auch ohne Zuhilfenahme unserer Akte wusste Herr Pflanz die meisten Details aus dem Kopf.

Die Bemusterung — Ausstattungsgespräch trifft es eigentlich besser — findet in einem separaten Raum statt, in dem einige Anschauungsstücke schon ins Auge fallen. Auch hier hätten wir große Räume mit diversen Elementen erwartet, aus denen wir aus tausenden Varianten hätten wählen können (man hat da ja so seine Vorstellungen). Das Sortiment ist aber überschaubar; von den meisten Dingen gibt es fünf bis zehn Varianten vor Ort, für alles weitere Kataloge oder schlichtweg keine Alternativen. Für uns war das aber kein Nachteil; im Gegenteil — zuviel Auswahl macht die Sache eher schwieriger (für Interessierte: „Paradox of Choice„), und wir haben eigentlich keine Sonderwünsche. So konnten wir uns bei den allermeisten Punkten sehr schnell auf eine Wahl einigen.

In gut fünf Stunden bewegt man sich während der Bemusterung bei Frick Haus durch 20 Punkte einer Checkliste. Herr Pflanz erklärte dabei alle relevanten Punkte ruhig und nachvollziehbar, was zu einigen Aha-Effekten führte. Etliche Fragen, die wir hatten, wurden auf diesem Wege ebenfalls geklärt; leider meist mit dem Bedarf nach zusätzlichem Budget.

Auswahl der Fassadenfarben

Auswahl der Fassadenfarben

Sozusagen als Bemusterungs-Aufwärmübung wird zunächst die Fassadenfarbe gewählt, genauer: der Farbton für den Silikonharzputz. Die Auswahl ist auch hier überschaubar: ein paar Gelb- und Grautöne, das wars. Allerdings sind beliebige Farbtöne lieferbar, die man anhand eines RAL-Farbfächers auswählen kann. Wir entscheiden uns für die zarteste Gelbvariante und müssen feststellen, dass diese — im Vergleich zur weißen Standardausführung — Aufpreis kostet. Weiter geht es mit den Fensterbänken (weiß oder alu).

Danach stolpern wir über ein Thema, das wir eigentlich als Teil der Basisausstattung vermutet hätten: für die Terrasse und die Haustür werden sogenannte Abdichtungsanschlüsse benötigt, weil hier Anschlusselemente an die Hauswand stoßen. Dafür wird ein Mehrpreis auf Basis des laufenden Meters berechnet.

Für den Innenausbau wird noch einmal der Aufbau von Wänden und Decken festgehalten. Dabei legt Frick Haus wert darauf, dass eine hochwertige Dämmung auch zwischen den Stockwerken und im Bereich der Dachschrägen angebracht wird. Der Spitzboden bekommt, obwohl nicht ausgebaut, zumindest einen sauberen Boden aus OSB-Platten, so dass er begehbar und später problemlos ausbaufähig ist, was wir in Eigenregie durchführen werden, sobald wir uns halbwegs vom Bau erholt haben.

Das nächste wichtige Thema betrifft den Estrich, genauer: die Estrichhöhen in den einzelnen Räumen. Verlegt man gewöhnliche Fliesen beträgt dieser ca. 10mm; rückt man mit dickstem Feinsteinzeug an, muss die Estrichhöhe ggf. angepasst werden. Auch hier: keine Sonderwünsche, wir bleiben beim Standard.

Nun ist das Dach an der Reihe. Aus einem Musterregal wählen wir die passende Dachziegelform („Frankfurter Pfanne“) und -Farbe. Dabei erweist es sich als sehr praktisch, dass man die Fassadenfarbe in Form eines kleinen Beispielfassadenelements in die Hand nehmen und zum Vergleich neben die Ziegel halten kann. Herr Pflanz spricht mit uns dabei auch über Sonderziegel, die z.B. für die Durchführung und Halterung einer Satellitenantenne erforderlich sind, oder für die Anbringung der Solarthermie-Elemente. Jede Entscheidung wird dabei akribisch in der „Checkliste“ festgehalten, von der man am Ende der Bemusterung eine Kopie erhält. Besonders angetan hat es uns die Tonfigur eines Schlafwandlers auf dem Anschauungs-Dachfirst — dies wird noch Folgen haben, aber dazu an anderer Stelle mehr. Bis dato war zumindest mir der Begriff „Dachschmuck“ völlig unbekannt. ;)

Für das Dach werden auch die Dachfenstertypen festgelegt bzw. erklärt und die Anbringung der Einschubtreppe zum Spitzboden besprochen. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt, besonders wenn der Dachboden nicht wirklich hoch ist und man von der normalen Treppe ohne akrobatische Einlagen die Einschubtreppe erreichen will. Hier braucht man viel Vorstellungsvermögen — und die Unterstützung von Herrn Pflanz, da die Treppe auch aus statischen Gründen nicht überall angebracht werden kann.

Über zahlreiche weitere Punkte (Dachrinne? Schneefallgitter?) geht es ins Innere des Hauses. Hier möchten Türfarben und Türgriffe gewählt werden. Auch das meistern wir dank der begrenzten, aber ansprechenden Auswahl problemlos. Für die Türen wird nun auch noch einmal der Anschlag und damit die Öffnungsrichtung besprochen; auch Breitenänderungen könnten hier noch berücksichtigt werden.

Die Fenster sind eines der wichtigsten Themen: welches Fenster soll sich öffnen lassen, in welche Richtung? Wird es ein Fensterkreuz haben, verzichtet man auf einen Mittelsteg bei Doppelfenstern für mehr Fensterfläche? Welche Sicherheitseigenschaften soll es haben? Für jedes einzelne Fensterelement wird dabei im Bemusterungsplan festgehalten, welche Entscheidungen getroffen wurden — das dauert ein wenig. Tipp: besonders hier ist es wichtig, die Küchenpläne bereits griffbereit zu haben, weil die Höhe der Arbeitsplatte für den Anschluss zur Fensterbank des Küchenfensters sowie für die ggf. erforderliche feststehende Fensterhöhe in der Küche eine Rolle spielt. Natürlich braucht jedes Fenster noch eine Fensterbank und einen Rollladen — und einen Rollladenantrieb, da Frick für den manuellen Betrieb nur eine Kurbel anbietet, was wir etwas eigenartig und wenig praxistauglich fanden. Davon konnten wir uns am bereitgestellten Fenstermodell überzeugen. Leider sind die damit verbundenen Mehrkosten für elektrische Antriebe an 18 Fenstern nicht von Pappe (siehe dazu auch den Artikel zur Sonderausstattung und den damit verbundenen Mehrkosten).

Die Bemusterung der Fliesen erfolgt übrigens nicht bei Frick Haus, sondern bei Keramundo in Würzburg — eine weitere Überraschung. Nun ist Würzburg nicht aus der Welt, aber wir hätten auch nichts gegen ein Fliesenstudio in der Nähe gehabt und hoffen, dass sich der Ausflug lohnen wird. Immerhin versprach uns Herr Pflanz für die Auswahl der Sanitärobjekte, die ebenfalls separat durchgeführt wird, eine Anlaufstelle in der näheren Umgebung von Frankfurt. Das bedeutet leider auch, dass sich die Bemusterung etwas hinzieht, auch wenn wir natürlich verstehen, dass es sich für Frick Haus nicht lohnt, die Anschauungsobjekte selbst vor Ort zu zeigen. Alles zum Thema Elektro folgt übrigens erst direkt auf der Baustelle.

Nach einem sehr leckeren Essen in einem Nachbarort in der Nähe von Lauterbach, zu dem wir eingeladen wurden, und vielen weiteren Punkten (Haustür, Heizung, Elektro, Sanitär, Außenanschlüsse für Wasser, etc.) hatten wir es nach gut fünf Stunden geschafft. Es schloss sich noch eine kleine Werksführung an, der wir später einen eigenen Artikel widmen. Da es nun ernst wird, müssen wir zeitnah noch zahlreiche Punkte klären, die insbesondere die Bodenplatte und die Anschlüsse seitens der Versorger betreffen. Dank der kompetenten Beratung durch Herrn Pflanz machen wir uns in vielen Punkten, die Frick Haus betreffen, nun aber weniger Sorgen und konzentrieren uns nun auf das Wesentliche: Geld für die Zusatzkosten aufzutreiben, die im Budget nicht vorgesehen waren.