Projekt Fertighaus

Sonderausstattung fürs Fertighaus

Sinnvolle Extras und ungeplante Zusatzkosten

Im Ausstattungsgespräch gab es einige unerfreuliche Überraschungen, was die Kosten angeht. Nicht alles ist Luxus; zahlreiche Extras sind teilweise unverzichtbar, aber im ursprünglichen Hauspreis nicht enthalten, obwohl ein Fertighaus ohne sie nur einen eingeschränkten Nutzwert hat. Erst jetzt wird deutlich, mit welchen Zusatzkosten wir für Sonderausstattungen rechnen müssen — und das sind Beträge, die wir nicht eingeplant haben.

Zugegeben: wir hätten uns besser informieren können. Allerdings wäre es auch wünschenswert gewesen, wenn der Haushersteller auf die zu erwartenden Mehrkosten hingewiesen hätte, so wie er es bei den Baunebenkosten getan hat, was sehr hilfreich war. Schnell kommt so nämlich ein fünfstelliger Betrag zusammen; wir rechnen nun insgesamt mit ca. 5% der Fertighauskosten, die noch einmal für Sonderausstattung anfallen. Blöderweise müssen wir diese Kosten komplett aus eigener Tasche bezahlen, da die Finanzierung sich natürlich nach den ursprünglichen Baukosten richtete — und nicht nach dem fertig ausgestatteten Häuschen. Und noch blöder ist es, wenn in den eigenen Taschen bereits ziemliche Leere herrscht…

Da wären zum Beispiel die Rollläden: die klassischen Modelle mit Gurtantrieb gibt es bei Frick Haus nicht; wer es manuell mag, muss kurbeln. Für einen Rollladen erweist sich das allerdings als völlig unpraktisch (wer es nicht glaubt, muss es selbst testen), zumal bei 18 Fenstern. Man ist also praktisch gezwungen, elektrische Antriebe zu ordern, die pro Einheit mit 210 € extra zu Buche schlagen. Das war dann doch eine unangenehme Überraschung — in vielen Fällen hätte uns nämlich der klassische Gurtantrieb vollauf genügt. So müssen wir allein dafür 3780 € einrechnen, wobei 210 € für einen Rollladenantrieb an sich ein gutes Angebot sind.

Weitere Extrakosten, die wir so nicht erwartet hatten, verstecken sich in weiß gestrichenen Pfettenköpfen der Dachbalken und der Farbe der Verschalung der Dachunterseite (erhöhter Streichaufwand, 430 €), eine andere (Standard-)Farbe der Fassade statt weiß (770 € extra), ein anderer Türgriff in Stangenform an der Haustür (300 €!), Sichtschutz in den Badfenstern durch mattiertes Glas (420 € Aufpreis) und ein Außenwasseranschluss mit Frostsicherung (360 €). Dazu kommen noch viele kleinere Beträge, zum Beispiel für angepasste Dachziegel, die einmal die Satellitenantenne tragen soll, oder für solch banale Dinge wie einen Türschnapper, der es zulässt, dass man die Haustür in unverriegeltem Zustand aufdrücken kann.

Ein besonderer Sonderausstattungsposten sind einbruchhemmende Fenster, die wir auf jeden Fall ab Werk von Roto bestellen wollen, weil eine spätere Nachrüstung deutlich teurer ist und wir dies auf jeden Fall für eine sinnvolle Investition halten. Mindestens sollte es die Widerstandsklasse RC 2 sein — alles darüber beinhaltet Sicherheitsglas. Das hätten wir zwar gerne, aber dadurch verändert sich die Energiebilanz wegen des veränderten Wärmedurchgangskoeffizienten, des sogenannten U-Werts. An Mehrkosten sind hier stolze 2400 € zu erwarten. Verzichten wir auf das Sicherheitsglas und lassen nur den wirksamen Aufhebelschutz installieren, liegen die zusätzlichen Kosten bei ca. 350 €, die wir auf jeden Fall investieren werden.

Der größte Knaller aber ist ein Kostenposten, ohne den das Fertighaus nicht gebaut werden kann, der aber weder vom Fundamentbauer, noch vom Haushersteller als Inklusivleistung abgedeckt wird: eine simple Abdichtung zwischen Bodenplatte und Estrich. Uns ist völlig unverständlich, wieso ein solcher Punkt weder mit der Bodenplatte, noch zusammen mit dem Haus als fixe Kosten eingeplant werden. Diese Abdichtung schlägt für uns mit noch einmal 2700 € ins Kontor, so dass wir am Ende des Tages — nur mit Sonderausstattung, die so besonders gar nicht ist — gute 10.000 € an zusätzlichen Kosten stemmen müssen, die nicht geplant waren.

Natürlich kostet Sonderausstattung Geld, das ist keine Frage. Hier muss auch jeder selbst entscheiden, was wie wichtig ist. Ein Fertighaus ist sicher auch mit Rollläden mit Kurbelantrieb ohne weiteres nutzbar, und es muss auch keine besondere Haustüre sein. Aber dass man zumindest einen Wasseranschluss für den Garten benötigt und im Bad nicht jedes mal eine unfreiwillige Performance für die unterhaltungswillige Nachbarschaft durch Klarglasfenster darbieten möchte, sollte jedem Fertighaushersteller bewusst sein. Auch hier ist der springende Punkt nicht, dass das ganze Geld kostet, sondern dass diese Kosten als Sonderausstattung nicht in der Baufinanzierung berücksichtigt werden konnten und deshalb uns als Bauherren vor vermeidbare Probleme stellen.