Projekt Fertighaus

Versorger: Bürokratie und Wahnsinn

Nur dank der Firma Projektbau klappt alles planmäßig

Was Frick leider nicht übernimmt ist die Koordination der Versorger und der Anschlüsse von Gas, Wasser, Strom und Telekommunikation — hier ist der Bauherr gefragt. Als Laie steht man vor der schier unlösbaren Aufgabe, alle Versorger und den städtischen Bautrupp mehr oder weniger gleichzeitig an den Bauplatz zu lotsen. Hätten wir nicht Hilfe gehabt, wären wir kläglich gescheitert.Um es vorweg zu nehmen: dieser Beitrag ist keine versteckte Werbung für die Firma Projektbau GmbH aus Florstadt. Das machen wir ganz offen — und vor allem freiwillig, denn die Unterstützung durch das Projektbau-Team hat entscheidenden Anteil daran, dass alle Versorger pünktlich und ohne Probleme ihre Anschlüsse verlegen konnten. Ehre wem Ehre gebührt — aber der Reihe nach.

Ihr erinnert Euch vielleicht, dass beim ersten Termin mit der Firma Projektbau, die eigentlich „nur“ für die Bodenplatte und den Sockelputz verantwortlich ist, auch die Versorger und ein Vertreter des vom Bauhof beauftragten Generalunternehmens hätte vor Ort sein sollen. Kurzum: Herr Grün von Projektbau war da, und das wars auch schon — von Versorgern weit und breit keine Spur, was aber am Generalunternehmer der Stadt lag, der sich offenbar schlichtweg nicht darum gekümmert hatte und selbst durch Abwesenheit (und telefonische Nichterreichbarkeit) glänzte.

Graben für Versorgungsleitungen zum Haus

Der große Graben: 22 m lang, 1,50 m tief, bereit für die Aufnahme der Versorgungsleitungen. Das Runde muss in das Eckige!

Herr Grün übersandte mir in den folgenden Wochen diverse Links und Hinweise zu Anträgen, die wir bei den Versorgern stellen mussten. Unsere Versorger sind die Netzdienste RheinMain für Gas, die Syna GmbH für Strom, UnityMedia für Internet und die Stadt Usingen für den Wasseranschluss. Auf die Telekom haben wir verzichtet, weil wir keinen regulären Telefonanschluss brauchen, die Telekom lediglich nicht mehr zeitgemäße 16 Mbit Bandbreite anbietet (UnityMedia: bis zu 150 Mbit) und unmögliche lange Vertragsbindungen von mindestens einem Jahr für ihre Dienste festlegt. Immerhin haben wir den Vorteil, dass unser Grundstück schon erschlossen ist und sich bereits alle Leitungen unter der Straße befinden.

Was wir in unserer Kostenkalkulation leider nicht bedacht hatten (und worauf auch niemand hingewiesen hatte), ist, dass die meisten Versorger nur eine Strecke von drei Metern (!) vom Anschlusspunkt unter der Straße aufs Grundstück als im Preis inbegriffen betrachten. Jeder Meter mehr kostet, und das nicht zu knapp — und leider befindet sich unser Mehrspartenhausanschluss (MSH) satte 22 m von der Straße entfernt. Schon wieder kam unsere Kostenrechnung ins Wanken, weil einige tausend ungeplante Euro plötzlich aufgefangen werden mussten.

Ein Lichtblick ist UnityMedia, die einen Festpreis für den „Fiber to the home (FTTH)„-Anschluss („Baukostenzuschuss“) von derzeit 398 Euro verlangt, wenn man gleichzeitig Dienste (2play, 3play) dort beauftragt, was logischerweise unvermeidlich ist. Aber auch hier: Obacht! UnityMedia hat zwar eine schön breite Datenautobahn, aber in der Praxis gibt es offenbar mannigfaltige Probleme mit Konnektivität und insbesondere der bereitgestellten Hardware. Deshalb haben wir auf einer FritzBox anstelle des Technicolor-Modems (ohnehin ein komischer Name für so ein Ding) bestanden und sind gespannt, ob wir auch von Verbindungsproblemen heimgesucht werden… da das Netz im Neubaugebiet neu angelegt wurde, hoffen wir das beste.

Anschluss der Versorgungsleitungen an die Hauptleitung mittels Hot-Tapping-Verfahren

Anschluss der Versorgungsleitungen an die Hauptleitung mittels „Hot tapping“-Verfahren. Im Bild ist der Gas- und Stromanschluss bereits hergestellt.

Neben den Versorgern war aber der schwierigste Part, das von der Stadt beauftragte Bauunternehmen an den Start zu bekommen, denn: erst müssen die Anschlüsse unter der Straße freigelegt und der 22 m lange Graben auf unserem Grundstück gebuddelt werden, in das dann innerhalb weniger Tage die Leitungen der Versorger verlegt werden müssen, damit der Innenausbau weitergehen kann. Hier hatten wir besonderen Zeitdruck, das wir über keinen Baustromanschluss verfügten, unser tapferer kleiner Generator überfordert war und wir nicht länger Strom von unseren Nachbarn schnorren wollten. Wasser hatte sich Frick bis dato entweder selbst mitgebracht, oder wir hatten es in Kanistern bereitgestellt, was auch nur bedingt praktikabel ist. Auch hier bestand also ein gewisser Leidensdruck.

Nach der ernüchternden Erfahrung mit unserem ersten Termin war ich recht nervös, was die Zeitplanung anbetraf. Herr Grün musste vermutlich mehrfach den Kopf über meine besorgten Mails schütteln; noch dazu kam, dass wir nicht wussten, ob wir alle Anträge richtig ausgefüllt hatten. Viele Information muss man sich erst aus der Energieberechnung für das Haus bzw. aus dem Bauantrag zusammensuchen (z.B. erwarteter Wasserverbrauch, etc.), bei anderen Punkten kann man schlichtweg nur raten und hoffen, dass ein halbwegs intelligenter Mensch am anderen Ende entweder die richtigen Zahlen einträgt oder wenigstens rückfragt. Die erforderlichen Anträge und Bestätigungen jedenfalls waren bis jetzt der größte bürokratische Akt, den wir während der Bauphase bewältigen mussten.

Umso begeisterter waren wir, als plötzlich eine Absperrung und ein großer Erdhaufen auf der Straße vor dem Haus auftauchten; daneben ein tiefes Loch mit Blick auf die Versorgungsleitungen unter der Straße. Einen Tag später führte ein etwa anderthalb Meter tiefer Graben von der Anschlussstelle bis dorthin, wo die Rohrleitungen des MSH warteten. Am Ende der Woche lagen fein säuberlich vier unterschiedlich gefärbte Leitungen im Graben, der dann auch zeitnah zugeschüttet wurde; nur der Anschlusspunkt zu den Hauptleitungen unter der Straße blieb noch etwa eine Woche lang offen.

Anschlussleitungen der Versorger am MSH

Und so sieht es dann aus, wenn die Anschlussleitungen der Versorger schön ordentlich aus dem MSH kommen.

Im Haus ragten dann aus unseren vier MSH-Röhren fein säuberlich die entsprechenden Kabel bzw. Leitungen der Versorger heraus. Der Elektriker übernahm dankenswerter Weise die Absprache mit der Syna, so dass kurze Zeit später der Zähler gesetzt und tatsächlich der Strom angeschlossen werden konnte. Damit waren wir nicht nur im Zeitplan für Frick fertiggeworden, sondern konnten zum ersten mal sogar unsere elektrischen Rollläden herunter- und herauffahren lassen — grenzenlose Begeisterung. :)

Eine interessante Information am Rande: ich dachte bis jetzt immer, dass das Anschließen der Hausleitung an die Hauptleitungen der Versorger eine recht komplizierte Sache sei — und ich hatte allen ernstes geglaubt, der Strom bzw. Gas und Wasser müssten für kurze Zeit abgeschaltet werden, wenn ein neuer Verbraucher ans Netz geht (wenn man recht darüber nachdenkt würde das bedeuten, dass in Neubaugebieten in schöner Regelmäßigkeit Strom, Wasser und Gas ausfallen). Die Technik ist aber weitaus spannender — und einfacher, wie mir ein Mitarbeiter des Bauunternehmens erklärte.

Dabei wird z.B. an die Stromleitung eine Manschette angesetzt, die sich fest um die Leitung schließt. Danach wird innerhalb der Manschette einfach ein Dorn in die Leitung gedrückt, der den Kontakt zur Hauptleitung herstellt. Die Manschette wird mit einem Harz gefüllt, das aushärtet und eine bombenfeste Verbindung gewährleistet. Bei Wasser und Strom funktioniert das ähnlich; hier wird das sogenannte „Hot-Tapping“ eingesetzt, also das Anschließen an eine Versorgungsleitung unter Druck. Dazu wird eine Anbohrschelle fest um die Leitung fixiert, innerhalb derer dann eine Bohrung durch die Wand der Hauptleitung durchgeführt wird. Bei Gas wird die Schelle sicherheitshalber noch mit Stickstoff geflutet, damit im wahrsten Sinne des Wortes nichts anbrennt. Das Verfahren ist sehr schön auf dieser Seite über das Hot-Tapping im Detail erklärt.

Nur bei der Glasfaser fürs Internet dürfte das nicht so ohne weiteres funktionieren. Mal schauen, ob mir UnityMedia dazu ein paar Details verrät. :)