Projekt Fertighaus

Baumängel an Carport und Terrasse

Nach langer Hängepartie und dem Weg zum Anwalt lassen sich die Probleme schließlich lösen

Es fing so schön an: das Bauunternehmen Hammerschlag aus Runkel, eine kleine Firma aus einem Ort in der Nähe und gefunden über MyHammer.de, gab uns ein günstiges Angebot für die Errichtung unserer Außenanlagen und konnte damals, im Sommer 2014, auch sofort mit den Arbeiten anfangen. Doch das dicke Ende erreicht uns jetzt in Form von Baumängeln, die lange nicht behoben wurden.

Im Dezember 2016, nachdem wir bereits acht Monate mit den Hammerschlag-Leuten in Kontakt standen, blickten wir auf unsere nicht mehr vorhandene Terrasse. Die völlig verzogenen WPC-Dielen hat das Bauunternehmen Hammerschlag immerhin mittlerweile abgebaut; danach aber brach der Kontakt unter Missachtung aller Fristen völlig ab. Anrufe wurden nicht beantwortet, immer neue Fristen ignoriert. Aber der Reihe nach.

Die anfängliche Zusammenarbeit mit dem Bauunternehmen Hammerschlag war vielversprechend

Als wir im Sommer 2014 den Auftrag für die Erstellung der Außenanlagen dem Bauunternehmen Hammerschlag übertrugen, waren wir guter Dinge: das Unternehmen war sehr engagiert, die Kommunikation klappte, wir waren schnell per Du und tauschten Ideen für die Gartengestaltung aus. Der Juniorchef und seine Mannschaft gingen ans Werk und verwandelten die Erdhaufen und Matschpfützen rund um unser Häuschen in einen gepflegten Garten, mit Zaun und allem, was dazugehört.

Nur der Carport ließ auf sich warten. Mängel bei der Errichtung konnten wir damals noch korrigieren, und die nötigen Änderungen wurden vom Bauunternehmen Hammerschlag auch zeitnah und ohne Kosten für uns durchgeführt, so dass der Carport fertig aufgestellt werden konnte.

Baumängel: Wasserstau auf dem Carport-Dach, verzogene Terrassendielen

Pfütze auf Carport-Dach. Der Carport wurde vom Bauunternehmen Hammerschlag aufgestellt.

Nein, kein See: die Dauerpfütze auf dem Carport-Dach, 4cm tief und 40kg pro m² schwer.

Leider kam es dabei aber offenbar zu Ausführungsfehlern, die erst später offenbar wurden: auf dem Dach des Carports staute sich das Wasser in einer sehr großen Pfütze und wollte auch nach Tagen nur langsam abfließen (bzw. wohl besser: verdunsten). Im Winter verschwand die Pfütze praktisch gar nicht. Mit Hilfe eines Bausachverständigen konnten wir ermitteln, dass das Gefälle des Daches nicht ausreichend groß gewählt wurde. Aus diesem Grund staut sich das Wasser dort ca. 4cm hoch auf. Das macht eine Dachlast von rund 40kg pro Quadratmeter aus, bei einer berechneten Last von max. 80 kg pro Quadratmeter bei Schnee im Winter geht damit also die Hälfte der Traglast für Wasser drauf, das da gar nicht hingehört. Dadurch könne der Carport bei einer entsprechenden Schneelast auch strukturellen Schaden nehmen, so der Sachverständige. Kein sonderlich angenehmer Gedanke!

Auch die Terrasse zeigte im Sommer 2015 nach und nach Verformungen der WPC-Dielen, die immer stärker wurden. Im letzten Sommer schließlich bogen sich die Dielen so weit nach oben, dass man die Terrasse nicht mehr gefahrlos benutzen konnte (schon gar nicht mit einem Kleinkind im Haushalt). Noch dazu wurde das Material brüchig und zerbröselte bei bloßer Berührung — nicht unbedingt das, was wir unter WPC erwartet hatten.

Sehr viel Geduld – ohne Ergebnis

Verbogene WPC-Dielen, verlegt vom Bauunternehmen Hammerschlag

Auf Biegen und Brechen: vom Bauunternehmen Hammerschlag verlegte WPC-Dielen, die sich nach kaum zwei Jahren an den Enden mehrere Zentimeter nach oben biegen.

Dem Runkeler Bauunternehmen klagten wir dann im April 2016 unser Leid und erhielten das Versprechen zur schnellen Abhilfe: „wir finden eine Lösung“. Darauf verließen wir uns, hatte doch bisher eigentlich immer alles ganz gut geklappt. Doch die Monate gingen ins Land, ohne dass wirklich etwas geschah, trotz gelegentlicher Kommunikation und eines Besuchs vor Ort. Darauf angesprochen, warum sich nichts tat, verwies einer der Hammerschlag-Chefs darauf, dass man sich erst mit dem Lieferanten des WPC auf eine Schadensregulierung verständigen müsse, immerhin handele es sich offensichtlich um einen Materialfehler.

In gutem Glauben, alles würde sich regeln lassen, hatten wir Geduld. Schließlich handelt es sich mit dem Bauunternehmen Hammerschlag um eine kleine Firma aus einem kleinen Ort, und da können ein paar tausend Euro Ausstände für neues Material schon ein Batzen Geld sein, der nicht unbedingt mal eben gestemmt werden kann.

Es blieb nur der Gang zum Anwalt

Der Sommer verging, ohne dass wir unsere Terrasse wirklich nutzen konnten. Langsam wurden wir ungeduldig und setzten eine Frist zur Behebung der Mängel. Mittlerweile war der bisherige Junior-Chef aus dem Unternehmen ausgeschieden und der Senior hatte die Geschäfte übernommen. Es häuften sich Ausreden wie „so viel zu tun“, „keine Leute“, „Krankheit“ usw., die uns hellhörig werden ließen. Absprachen wurden nicht eingehalten. Der Senior-Chef schlug dann Anfang September eine Behebung der Mängel bis zum 31.10. vor. Wir stimmten zu. Und wieder geschah: nichts, bis auf den Abtransport der schadhaften WPC-Dielen — immerhin. Seitdem herrschte Funkstille; weitere Fristen verstrichen ergebnislos.

Wir hatten danach notgedrungen, trotz der anfänglich guten Zusammenarbeit, einen Anwalt eingeschaltet. Ein letztes Ultimatum hatten wir persönlich unter Beisein von Zeugen per Brief überbracht (ebenfalls nicht sonderlich vertrauenerweckend: das Unternehmen hat an seiner Anschrift gar keinen eigenen Briefkasten). Als auch daraufhin keine Reaktion erfolgre, traten wir über unseren Anwalt von den Kaufverträgen für Carport und Terrasse zurück (Rückabwicklung) und klagten die gezahlten Beträge ein.

Erst Post vom Rechtsanwalt bringt Bewegung in die Sache

Siehe da: plötzlich bewegte sich etwas, denn eine ausbleibende Reaktion hätte dazu führen können, dass wir aufgrund der offenen Beträge die Konten der Firma hätten sperren lassen können. Innerhalb relativ kurzer Zeit wurde die Terrasse — wie ursprünglich als Alternative angedacht — mit 60×30-Feinsteinzeug auf einem Splittbett neu hergestellt und sieht sehr ansprechend aus; sogar besser als die ursprüngliche Variante mit WPC. Die Mehrkosten hielten sich dabei im Rahmen.

Der Carport war ein schwierigeres Problem. Zunächst konnte das Bauunternehmen Hammerschlag im Vergleich mit den Bauplänen kein Problem feststellen und suchte deshalb den Kontakt mit dem wenig kooperativen Hersteller des Carports (CD-Carport aus Ahnsbeck). Dieser hatte sich zuvor konsequent geweigert, uns die Baupläne unseres Carports bereitzustellen — mit dem Argument, wir könnten ihn ja dann anderweitig nachbauen lassen (wohlgemerkt: wir hatten den Carport bereits lange aufgestellt, und so toll ist er dann auch nicht). Auf so eine Idee muss man erstmal kommen. Wir müssten uns mit unserem Bauunternehmen, das den Carport für uns erworben hatte, in Verbindung setzen.

Allerdings: selbst die Hammerschlag-Leute bekamen nur nach langem Zureden und rechtlichem Druck Unterstützung des Herstellers. Dieser Termin aber brachte die wesentliche Erkenntnis: das Bauunternehmen hatte beim Aufbau einen kleinen, aber fatalen Fehler gemacht und einen der längsverlaufenden Tragbalken, die für das passende Dachgefälle verantwortlich und entsprechend angeschrägt sind, falschherum eingebaut. Logischerweise fließt dann das Wasser nicht richtig ab.

Ursache bekannt, Problem gelöst

Nachdem diese entscheidende Hürde genommen war, konnte das Bauunternehmen Hammerschlag nun auch eine Lösung suchen. Es fand sie in Form einer Anhebung der Stützbalken des Carports, um das erforderliche Gefälle herzustellen. Dazu wurden in mehrere der Stützen neue Bohrungen für die H-Anker vorgenommen und die Balken einige Zentimeter höher erneut fixiert. Wir machten uns bei dieser Belastung für die Konstruktion doch einige Sorgen, dass man hier Bruchstellen provoziert oder die Statik überlastet, wenn sich das ganze Ding auf diese Weise verwindet. Allerdings wurden wir von mehreren Seiten beruhigt, dass man das mit Holz durchaus machen kann und die Stabilität nicht leidet. Wir wollen es sehr hoffen.

Abschließend besserten die Hammerschlag-Leute noch den Anstrich an manchen Stellen nach, und seitdem läuft auch das Wasser vom Carport so ab, wie es sein soll. Mit anderen Worten: nach zwei Jahren konnten wir dieses Kapitel endlich abschließen. Wir hätten das sehr gerne ohne Anwalt geschafft, da das in der Regel für beide Seiten anstrengend und nervenaufreibend ist. Letztlich stellte sich auch heraus, dass die Information über die Mängel gar nicht bis zum zweiten Hammerschlag-Chef durchkamen und wir möglicherweise ein oder zwei Eskalationsschleifen hätten umgehen können, wäre die Kommunikation nicht abgerissen bzw. hätten wir nicht das Gefühl gehabt, wir seien der Firma mit unseren Problemen egal.

Da wir unsere Klage zurückgenommen und das Bauunternehmen Hammerschlag dann die Mängel zu unserer Zufriedenheit abgestellt hat, können wir uns nun auch wieder in die Augen sehen und einen Haken an die Angelegenheit machen – zum Glück! :)